Jüdische Gemeinde Haßfurt

Im Jahr 1933 lebten in Haßfurt 91 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Doch bereits seit dem 13. Jahrhundert waren Juden im Ort ansässig. Nach wiederholten Vertreibungen siedelten sich ab dem 17. Jahrhundert wieder vereinzelt jüdische Haushalte in der Stadt an. Zur Gründung einer Gemeinde kam es jedoch erst im 19. Jahrhundert. 1817 zählte man sechs Haushalte. Die Zahl jüdischer Bewohnerinnen und Bewohner stieg bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf 125 Personen kontinuierlich an.

Die Repressionen des NS-Systems und die Wirtschaftsboykotte trafen auch die jüdische Bevölkerung von Haßfurt. Die von der Stadtverwaltung forcierten Boykotte und diskriminierenden Maßnahmen führten dazu, dass bereits bis zum Jahr 1938 etwa 60 % der jüdischen Gemeindemitglieder Haßfurt verließen. Der Novemberpogrom traf die Zurückgebliebenen und ihr Synagoge mit großer Brutalität. Bis 1941 sollten insgesamt 68 jüdische Bürger*innen aus der Stadt fortziehen. 34 Personen wanderten aus, und zwar in die USA (12), nach Palästina (11), England (7), Südafrika (3) und in die Schweiz (1). 34 weitere Menschen flohen in neue Wohnorte in Deutschland, davon etwa ein Drittel nach Bamberg, Würzburg und Frankfurt a.M. Fünf Personen der jüdischen Gemeinde verstarben vor den Deportationen, drei von ihnen in Haßfurt.

20 jüdische Bürger*innen, die 1933 in Haßfurt gelebt hatten, wurden aus Unterfranken deportiert. Zu ihnen gehörten vier Personen, die im Jahr 1941 gezwungen worden waren, in das Sammelquartier im benachbarten Westheim zu ziehen. Zu den Opfern hinzu kommt eine Frau mit ihrer im Jahr 1933 geborenen Tochter. Sie war erst im Juli 1938 nach Haßfurt gezogen und wurde von dort deportiert. Mindestens vier weitere Menschen wurden von ihren neuen Wohnorten in Deutschland verschleppt. Insgesamt muss man also von mindestens 24 Deportierten sprechen, die 1933 in Haßfurt gewohnt hatten, niemand überlebte.

Die Deckenrolle in Haßfurt erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes. Eine zweite Deckenrolle aus Haßfurt liegt in Würzburg und bildet zusammen mit den Gepäckstücken anderer Kommunen den „DenkOrt Deportationen“ vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt“.

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Haßfurt

 

Shoa-Opfer, die 1933 in Haßfurt gewohnt hatten:

Babette Goldmann (1888 – 1942)
Julius Goldmann (1882 – 1942)
Ida Heimann, geb. Frank (1890 – 1941)
Salomon Heimann (1885 – 1942)
Irma Heß, geb. Silbermann (1893 – 1942)
Julius Heß (1892 – 1942)
Siegbert Heß (1926 – 1942)
Babette Lonnerstädter (1877 – 1942)
Flora Lonnerstädter (1886 – 1942)
Löb (Louis) Lonnerstädter (1866 – 1942)
Hilda Neuburger, geb. Sündermann (1885 – 1942)
Hirsch Neuburger (1878 – 1942)
Sali Neuburger (1888 – 1942)
Cäcilie Rosenthal (1921 – 1942)
Jonas Rosenthal (1879 – 1942)
Karolina Rosenthal (1922 – 1942)
Selma Rosenthal, geb. Lonnerstädter (1885 – 1942)
Therese Rosenthal (1928 – 1942)
Kathi Silbermann, geb. Dittmann (1864 – 1943)
Maria Silbermann (1897 – 1942)
Fanny Stein, geb. Samuel (1877 – 1941/1944)
Herz Stein (1871 – 1944)
Marie Stein (1904 – 1942)
Simon Stein (1874 – 1941/1944)