Jüdische Gemeinde Kitzingen

Zu Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 lebten 360 jüdische Bürgerinnen und Bürger in der Stadt. Damit gehört Kitzingen zu den regionalen jüdischen Zentren. Dies war auch schon im Mittelalter so, abzulesen an dem dort vorhandenen Friedhof. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1243 – hier wie auch später eine Verfolgungsnachricht. Vom Ende des 14. bis ins 18. Jahrhundert bestand trotz vieler Bedrohungen eine jüdische Gemeinde, die zu einem ungewöhnlich späten Zeitpunkt 1763 ausgewiesen wurde. 1731 hatte die Stadt 120 jüdische Bewohner.

Erst nach 1861 durften Jüdinnen und Juden zurückkehren, eine neue Gemeinde entstand und das Distriktsrabbinat wurde hierher verlegt. Viele jüdische Neubürger kamen aus den Orten der Umgebung. Sie trugen maßgeblich zum Wiederaufblühen des Weinhandels bei. Nach einem rasanten Wachstum der Gemeinde bis auf fast 500 Mitglieder um 1920 begann die Gemeinde schon vor 1933 wieder zu schrumpfen.

Ab 1933 hielten sich Ab- und Auswanderung mit dem Zuzug aus der Umgebung die Waage. Nach den Ausschreitungen des Novemberpogroms verließen dann viele die Stadt. Insgesamt emigrierten 192 Personen, davon zwei Drittel in die USA und nach Palästina. 111 Bewohnerinnen und Bewohner zogen in andere Städte. 94 Menschen wurden aus Unterfranken deportiert, von denen drei Frauen das Lager Theresienstadt überlebten. Weitere jüdische Kitzinger mussten die Transportzüge in anderen deutschen Städten besteigen oder wurden aus den Niederlanden und aus Frankreich deportiert.

Das Koffer-Denkmal in Kitzingen erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden der Stadt und der Region. Denn der zweite unterfränkische Transport startete in Kitzingen. Ein zweiter Koffer aus Kitzingen steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zum “DenkOrt” und zu den Deportationen.

Standort des DenkOrts in Kitzingen: Im Rosengarten

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