Jüdischer Wohnort Lülsfeld

Im Jahr 1933 lebten in Lülsfeld zwölf jüdische Bürgerinnen und Bürger, 1934 zog noch eine Frau zu. Seit dem 17. Jahrhundert waren Juden bereits dort ansässig. Doch erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts kam es wohl zur Gründung einer jüdischen Gemeinde, die 1762 aus 11 Familien bestand. 1816-1836 erreichte die Gemeinde mit 68 Mitgliedern ihre Höchstzahl. 1910 waren es nur noch 25 Personen und wenig später schloss sich die Kultusgemeinde an die im benachbarten Frankenwinheim an. 1935 verkaufte sie auch ihre Synagoge.

Infolge der zunehmenden Repressionen durch das NS-Regime zogen bis 1939 acht Personen fort. Ihre innerdeutschen Ziele, insbesondere Frankfurt a.M. und Würzburg, sowie die Niederlande sollten ihre Flucht ins rettende Ausland erleichtern. Ein Mitglied der Gemeinde verstarb in Lülsfeld, seine Witwe im Jahr 1940 in Frankfurt a.M. Zwei, möglicherweise drei Mitgliedern einer Familie gelang nach ihrem Umzug die Flucht in die USA. Vier Personen hingegen wurden aus Frankfurt a.M. (3) und aus den Niederlanden (1) deportiert.

Die letzte jüdische Familie in Lülsfeld mit drei Personen wurde am 25. April 1942 von Würzburg nach Krasniczyn in Ostpolen deportiert. Die Großmutter der Familie, die 1934 zugezogen war, starb in Theresienstadt. Insgesamt sieben Personen, die 1933 in Lülsfeld gewohnt hatten, wurden Opfer der Shoa. Niemand von Ihnen überlebte.

Die Schultasche in Frankenwinheim erinnert auch an die deportierten Jüdinnen und Juden aus Lülsfeld. Eine zweite Schultasche steht in Würzburg und bildet zusammen mit den Gepäckstücken anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort der Schultasche in Frankenwinheim: vor dem Rathaus

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Lülsfeld

Shoa-Opfer, die 1933 in Lülsfeld gewohnt hatten

Adolf Kohn (1884 – 1942)
Alfred Kohn (1915 – 1944)
Erna Kohn (1922 – 1942)
Hedwig Kohn, geb. Klugmann (1891 – 1942)
Else Münz, geb. Fleischmann (1900 – 1942)
Lilli Münz (1931 – 1942)
Siegfried Münz (1904 – 1942)