Jüdische Gemeinde Untererthal, heute Stadtteil von Hammelburg

1933 lebten in Untererthal 20 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Die ersten Juden im Ort sind jedoch bereits 1524 dokumentiert. In den folgenden beiden Jahrhunderten schwankte ihre Zahl zwischen drei und schließlich 11 Familien und blieb seit 1768 relativ konstant. Als der bayerischen jüdischen Bevölkerung 1861 die Wohnortwahl freigestellt wurde, setzte jedoch schnell die Abwanderung ein. Im Jahr 1900 gab es noch 32 jüdische Bewohnerinnen und Bewohner.

Nach dem Beginn der NS-Gewaltherrschaft konnten bis 1939 fünf Personen in die USA, nach England und Palästina emigrieren, ebenso vermutlich ein Mädchen, das zunächst ein Ausbildungslager besucht hatte. Fanny Ring verstarb, Simon David kam nach dreijähriger Haft im KZ ums Leben. Eine junge Frau, Martha David, arbeitete auswärts und wurde aus Berlin deportiert. Die in Untererthal Zurückbleibenden verarmten aufgrund der Verfolgungsmaßnahmen mehr und mehr. Acht Jüdinnen und Juden wurden direkt aus Untererthal deportiert, drei weitere aus Würzburg. Dort hatten sie die letzten Monate vor ihrer Deportation verbringen müssen.

Der Rucksack in Untererthal erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes. Ein zweiter steht in Würzburg und bildet zusammen mit den Gepäckstücken anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen 1941-1944“ vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zum “DenkOrt” und zu den Deportationen.

Standort des Rucksacks in Untererthal: Neben der Gedenktafel in der Judengasse.

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Untererthal