Jüdische Gemeinde Wiesenbronn

23 jüdische Bürgerinnen und Bürger lebten 1933 in Wiesenbronn. Erste Nachrichten über Juden im Ort gibt es aber bereits aus dem 16. Jahrhundert, Anfang des 18. Jahrhunderts waren es acht Familien und 1817 27 Haushalte. In dieser Zeit wuchs die jüdische Gemeinde, 1837 zählte man 160 Personen. Das änderte sich nach 1861 mit Einführung der freien Wohnortwahl, 1900 hatte die jüdische Gemeinde nur noch 52 Mitglieder. Aus Wiesenbronn stammt Seligmann Bär Bamberger (1807-1878), der bedeutendste Rabbiner Unterfrankens.

In der NS-Zeit starben vier Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Wiesenbronn und es gelang sieben Personen nach Palästina und in die USA zu emigrieren, weitere zogen innerhalb Deutschlands um. Dazu trug die vergiftete Atmosphäre im Dorf maßgeblich bei, die von lokalen NS-Vertretern angestachelt wurde. 1938 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Neun jüdische Bürgerinnen und Bürger waren zu dieser Zeit noch übrig und erlebten die brutalen Ausschreitungen des Novemberpogroms. Die letzten drei Frauen verließen den Ort im März 1942. Von den dreizehn Opfern der Shoa wurden sieben aus Unterfranken deportiert, darunter der einjährige Sally Heippert, der Sohn von Käte Heippert, der nur knapp drei Wochen seines kurzen Lebens bei seiner Familie in Wiesenbronn verbringen konnte. Fünf Personen wurden aus anderen Orten in Deutschland deportiert und einer starb im KZ Dachau nach dem Novemberpogrom 1938.

Das Koffer-Denkmal in Wiesenbronn erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes. Ein zweiter Koffer aus Wiesenbronn steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts in Wiesenbronn: Am Seegarten

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Wiesenbronn