Jüdische Gemeinde Würzburg

Die jüdische Kultusgemeinde in Würzburg war mit Abstand die größte in Unterfranken. Sie zählte 1933 2 145 Mitglieder. Bereits um das Jahr 1100 waren die ersten Juden in die Bischofsstadt gekommen und bildeten bald eine bedeutende Gemeinde. Bis 1298, als eine Reihe schwerster Pogrome begann. Seitdem haben Jüdinnen und Juden nur mit Unterbrechungen in der Stadt leben können und seit dem 16. Jahrhundert gar nicht mehr.

Erst ab 1803 sollte sich das wieder ändern, in Würzburg entstand die Gemeinde der Neuzeit. Sie wuchs v.a. nach 1861 auf bis zu 2.500 Mitglieder um 1900 an, baute ihre Synagoge, gründete Schulen, die Israelitische Lehrerbildungsanstalt, Krankenhaus und Altersheim. Wie fast in ganz Bayern nahm die Zahl der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner nach 1900 wieder ab.

Schnell griffen auch in Würzburg ab 1933 die Gesetze und Repressionen des NS-Staates, Wirtschaftsboykotte, Zwangsschließungen und -verkäufe von Firmen und Geschäften raubten den jüdischen Familien die Lebensgrundlage. Mehr als 1.100 Menschen zogen bis 1937 fort oder wanderten aus. Die Emigranten verloren meist ihren kompletten Besitz.

Der 9./10. November 1938 zeigte dann endgültig und unmissverständlich, dass der NS-Staat es ernst meinte mit der Verfolgung der Menschen und der Zerstörung ihres Besitzes. Die Würzburger Synagoge wurde verwüstet, die in Heidingsfeld niedergebrannt, zahllose Wohnungen und Geschäfte demoliert. Knapp 300 Männer wurden verhaftet und anschließend in die KZs nach Buchenwald oder Dachau verschleppt. Mindestens vier Menschen starben.

Spätestens jetzt bemühte sich jeder um die Emigration, 1938 und 1939 verließen noch einmal knapp 1.000 Menschen die Stadt. Gleichzeitig suchten, wie bereits zuvor, viele Juden aus der ganzen Region hier Zuflucht. Die Lebensmöglichkeiten wurden mehr und mehr eingeschränkt, die meisten Haushalte mussten in Häuser ziehen, in denen nur noch Juden lebten, oder in Sammelunterkünfte.

Jüdinnen und Juden, die jetzt noch in Würzburg waren, hatten keine Chance mehr, der Vernichtungspolitik zu entrinnen. Bis zum Frühjahr 1942 wurde der „arbeitsfähige“ Teil der jüdischen Bevölkerung mit Familien abtransportiert. Am 27. November 1941 traf es eine erste Gruppe mit 202 Personen, darunter 41 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 21 Jahren. Im Frühjahr 1942 folgten zwei weitere Transporte mit mehr als 1.000 Menschen aus ganz Unterfranken ins besetzte Polen, von Kitzingen nach Izbica und von Würzburg nach Krasniczyn. 96 Menschen, die zuletzt in Würzburg gelebt hatten, gehörten dazu. In den Durchgangslagern im Raum Lublin herrschte der blanke Terror. Wer nicht in den Lagern starb, wurde nach kurzer Zeit in den Vernichtungslagern der Region, in Belzec und Sobibor umgebracht. Niemand überlebte.

Zurück blieben in Unterfranken die alten Menschen, die nun oft aus ihren Heimatorten vertrieben und in den größeren Gemeinden, besonders in Würzburg konzentriert wurden. Sie wurden im September mit zwei Transporten nach Theresienstadt deportiert. Die letzte Gruppe der jüdischen Bevölkerung, die Funktionsträger der jüdischen Gemeinde in Würzburg, die bis zuletzt das Leben der Gemeinschaft aufrecht erhalten hatten, kamen zum Abschluss der Deportationen an die Reihe. Im Juni 1943 wurden sie vom Hauptbahnhof mit zwei Transporten nach Auschwitz und Theresienstadt abtransportiert und meist sofort ermordet.

Insgesamt 942 Personen sind mit letztem Wohnsitz Würzburg deportiert worden, gut 400 hatten bereits 1933 dort gewohnt. Nur 53 von ihnen überlebten. Hunderte weitere aus Würzburg stammende Jüdinnen und Juden hat der NS-Staat von anderen deutschen Städten oder aus Holland, Belgien und Frankreich in die Vernichtungslager transportiert. Genaue Zahlen dazu gibt es jedoch nicht.

Der Koffer in Würzburg erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden der Stadt. Ein zweiter Koffer bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts in Würzburg: Spiegelstraße, in der Nähe der ehem. Schrannenhalle, dem Sammelplatz der 1. Deportation

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