Fortschritte trotz Corona

Die Eröffnung des DenkOrts am 21. April musste wegen der Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie abgesagt werden. Und doch tut sich etwas am Denkmal.

Neugierig schauen sich die Menschen den abgezäunten Ort an. Viele von ihnen haben mehr Muße als üblich, schlendern auf dem Bahnhofsvorplatz entlang. Der eine oder die andere bleibt am Zaun stehen, sieht die Banner an oder informiert sich auf der Webseite zum Projekt.

   

Die Baustelle rings um den künftigen DenkOrt ist von den städtischen Gärtnern in eine gepflegte Grünfläche verwandelt worden. Rollrasen und Blumenrabatte umrahmen den Platz. Nur die Tulpen konnten mit ihrer Blüte nicht warten, bis das Denkmal eröffnet wird.

Und auch die Bauarbeiten gehen weiter. Ein hohes Schild mit dem Namen des DenkOrts auf der einen und einem bei der Bahn gebräuchlichen Stop-Zeichen auf der anderen Seite wird künftig zum Anhalten auffordern. Hut und Teddy liegen zur Probe auf den Bänken. Sie gehören zu den Zeichen des Denkmals, die darauf verweisen, dass von hier Männer, Frauen und Kinder abtransportiert wurden, um in Osteuropa ermordet zu werden.

   

Bildnachweise: Fotos Matthias Braun (oben und unten), Michael Stolz (Mitte)

Der DenkOrt nimmt Form an

In dieser Woche hat sich viel getan rund um die DenkOrt-Baustelle. Mit einem großen Kran wurde die erste Hälfte der Betonfertigteile auf den vorbereiteten Fundamenten aufgebaut: Die Stelen für die Info-Tafeln, die Bänke und einige der Betonquader für die Gepäckstücke. Die Anlieferung der restlichen Teile ist für die nächste Woche geplant.

 

 

Gleichzeitig haben Künstler und Kommunen ihre Gepäckstücke angeliefert, die bei der ersten Eröffnung aufgestellt werden sollen. Inzwischen sind es 37 Stück, die nun auf Paletten in der Tiefgarage der WVV der Dinge harren, die da kommen sollen. Wann sie montiert werden können, ist momentan offen.

 

 

Wie geplant wurde der Rest der Betonfertigteile eine Woche später geliefert und aufgestellt. Damit hat der DenkOrt bereits weitgehend seine endgültige Gestalt erhalten – nur ohne Gepäckstücke und ohne Info-Tafeln.

 

Fotos: Johanna-Stahl-Zentrum, Jan Kurmann: Titelbild, Gepäckstücke; Matthias Braun: Aufbauarbeiten; Benita Stolz: Abschlussfoto unten rechts

 

Steine vom Aufgang zum Aumühl-Bahnhof gerettet

Es war der letzte Weg in der Heimat, den die Jüdinnen und Juden Unterfrankens von der Schweinfurter Straße aus liefen. Von hier gingen sie über das Basaltpflaster hoch zum Güterbahnhof an der Aumühle, dem Aumühl-Ladehof. Deshalb sollte hier der DenkOrt zur Erinnerung an die Deportationen aus ganz Unterfranken gebaut werden.

Doch es kam anders. Unter dem Aufgang fließt die Pleichach in einem maroden Tunnel. Der wird in den nächsten Jahren abgerissen und die Pleichach renaturiert. Damit verschwindet auch die Rampe mit ihrem historischen Pflaster.

Der DenkOrt Deportationen 1941-1944 wird deshalb jetzt vor dem Hauptbahnhof gebaut. Nachdem den Winter über an der Baustelle nicht viel passierte, geht es nun weiter. Das historische Pflaster wurde am Aufgang zur Aumühle aufgenommen, in einem Container gelagert und zum Hauptbahnhof gebracht. Dort findet es eine neue Verwendung am DenkOrt. Nicht zur Pflasterung einer Fläche – die wäre nicht barrierefrei – , sondern als einreihige, dezente dunkle Umrahmung des Denkmals. An drei Seiten des Denkmals-Sockels wurden die Steine schon verlegt, die vierte Seite folgt nach der Aufstellung der Stelen und der Bänke Mitte März.

Denn dann kommen die Beton-Fertigteile: Vier Stelen, drei Bänke und 14 Quader, alle aus geschliffenem, dunkelgrauen Beton. Mosaikartig angeordnet bilden die Quader den Untergrund für die Gepäckstücke. Auch die werden demnächst aus den Kommunen geliefert und bei der WVV zwischengelagert. Etwa 40 unterfränkische Gemeinden haben sich für die Eröffnung des DenkOrts angemeldet. Ein Gepäckstück bringen sie nach Würzburg, ein zweites stellen sie im eigenen Ort auf – oder haben dies bereits getan. Jedes Gepäckstück steht für eine jüdische Gemeinde, in der die deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger 1933 lebten.

Die Eröffnung des “DenkOrts Deportationen 1941-1944” sollte am 21. April 2020 um 13 Uhr auf dem Platz östlich des Kiliansbrunnens vor dem Hauptbahnhof stattfinden – wegen der Corona-Pandemie musste sie auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Foto: Jan Kurmann, Johanna-Stahl-Zentrum

Bauarbeiten am DenkOrt haben begonnen

Ein erster Koffer am Standort des „DenkOrts Deportationen“ vor dem Hauptbahnhof, Lehm und Schotter sowie ein Bauzaun künden davon: Mit den Erdarbeiten am Denkmalsstandort wurde begonnen. Aus diesem Anlass fand eine kleine Feier statt, in deren Rahmen Vertreter der Stadt Würzburg und des Vereins DenkOrt Deportationen e.V. der Presse den Fortschritt der Arbeiten vorstellten. Am Bauzaun waren Banner mit dem Modell des DenkOrts befestigt worden.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt sprach aus diesem Anlass ebenso wie die Vorsitzende des Trägervereins Benita Stolz, der Schulleiter von Don Bosco Harald Ebert, der Architekt Matthias Braun, der Kulturreferent Achim Könnecke sowie der Leiter des Gartenamts Helge Grob. Das Grußwort des Zentralratspräsidenten Joseph Schuster wurde durch die Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums, Rotraud Ries verlesen. Als besonderer Gast nahm David Hanauer teil, dessen Großeltern von Würzburg nach Riga deportiert und dort ermordet worden waren. Er betonte die besondere Bedeutung der Erinnerungsarbeit auch für die Nachkommen.

Wenige Tage später hatte der Bagger die Erdarbeiten rund um den künftigen Standort des DenkOrts bereits abgeschlossen. Hier werden in den nächsten Wochen und Monaten Fundamente gegossen und die Betonquader aufgestellt, auf denen die Gepäckstücke stehen sollen. Am Rand kommen Sitzbänke und Informationsstelen zu stehen. Im Frühjahr soll der DenkOrt Deportationen mit den ersten fertig gestellten Gepäckstücken eröffnet werden.

Neuer Standort und neuer Name für den DenkOrt

Seit dem Sommer 2018 zeichnete sich ab, dass der DenkOrt Aumühle nicht am vorgesehenen Standort errichtet werden kann. Die historische Rampe zum ehemaligen Ladehof führt über einen Tunnel, in dem die Pleichach fließt. Der ist marode, die Deutsche Bahn wird als Eigner die Pleichach offen legen. Ein neuer, ebenfalls authentischer Standort musste gefunden werden.

Dies ist nun gelungen. Der DenkOrt wird im Randbereich des Bahnhofsvorplatzes, im Übergang zum Ringpark errichtet werden. Der Ort ist von historischer Bedeutung. Denn vom Hauptbahnhof gingen zwei unterfränkische Transporte an einem Termin im Juni 1943 ab. Und er hat den Vorteil der besseren Wahrnehmbarkeit.

Der Verein, der Kreis der unterfränkischen Beteiligten, die Stadt Würzburg und der Architekt Matthias Braun verständigten sich auf diesen Ort und entwickelten neue Pläne. Diese wurden im städtischen Ausschuss für Planung, Umwelt und Mobilität (PUMA) vorgestellt und einstimmig angenommen. Am 4. Juli 2019 sprach sich der Würzburger Stadtrat ebenfalls einstimmig für den neuen Standort und die vorgestellten Pläne aus und beauftragte das Gartenamt mit den nötigen vorbereitenden Arbeiten. Diese Arbeiten werden noch im Herbst 2019 beginnen.

Vorlage für den Stadtratsbeschluss am 04.07.2019, mit Anlagen

Beschluss des Stadtrats am 04.07.2019

Nach intensiven Diskussionen mit allen Beteiligten und Abstimmung mit der Stadt Würzburg folgte kurze Zeit später der Beschluss des Vereins über die Umbenennung des DenkOrts. Sein neuer Name lautet:

DenkOrt Deportationen 1941-1944 – Wir erinnern an die jüdischen NS-Opfer Unterfrankens

Die Webseite zum DenkOrt wurde umgezogen und die Kontaktadresse entsprechend geändert.

Unterstützung aus Wiesentheid und Prichsenstadt

Vorbildlich setzen sich der Verein Alt-Prichsenstadt e.V. sowie eine Bürgerinitiative in Wiesentheid für das DenkOrt-Projekt ein. Sie unterstützen die Errichtung der zentralen Gedenkstätte zur Erinnerung an die jüdischen NS-Opfer aus ganz Unterfranken in Würzburg. So gelang es ihnen zum Beispiel, den Gemeinderat in Wiesentheid umzustimmen. Der hatte zunächst eine finanzielle Beteiligung am DenkOrt abgelehnt.

Am 9. Juli 2019 luden Verein und Initiative zu einer Informationsveranstaltung im Prichsenstadter Stadtteil Laub ein. Auf ihr stellte Benita Stolz als Vorsitzende des Vereins DenkOrt Aumühle e.V. das geplante Denkmal und seinen neuen Standort vor dem Hauptbahnhof vor. Am Ende der Veranstaltung übergab die Bürgerinitiative „Wiesentheid unterstützt den DenkOrt Aumühle Würzburg“ symbolisch ein Spendenscheck an die Vereinsvertreter aus Würzburg. Mit großer Freude und Dank nimmt der Verein diese Unterstützung auf.

Im Bild (v. l.): Elke Wagner (AK Stolpersteine Würzburg), Benita Stolz (Vorsitzende des Vereins DenkOrt Aumühle e.V.), Harald Godron (Initiator der Bürgerinitiative aus Wiesentheid), Wolf-Dieter Gutsch (Sprecher des Arbeitskreises „Stolpersteine – Erinnern und Gedenken“ im Verein Alt Prichsenstadt e.V.).

Besuch in Bischofsheim bei den Holzbildhauern

Scheckübergabe der AWO an den Verein

Die AWO Unterfranken hat 500 € für den DenkOrt Aumühle gespendet. Am Dienstag, 16.10.2018 war die Scheckübergabe durch Stefan Wolfshörndl und Martin Ulses von der AWO an Benita Stolz, Hannelore Hübner und Karl-Heinz Spiegel von DenkOrt Aumühle e.V. Der Verein bedankt sich herzlich und hofft auf viele Nachahmer.

Stele an der Kaiserstraße demoliert

Am 8. Oktober 2018 wurde es bemerkt: Die Glasscheibe der Stele an der Kaiserstraße war mit einem harten Gegenstand in Kniehöhe eingeschlagen worden, die ganze Scheibe unter der Oberfläche geborsten. Kaum noch kann man die Beschriftung lesen. Doch nicht nur das, Spritzspuren in ähnlicher Höhe, eingetrocknete Lachen vor der Stele und Rotzspuren an ihrer Seite lassen eine Vielfalt an Körperflüssigkeiten auf dem Denkmal ahnen. Die Aufschrift mit den Namen der Spender ist abgerissen.

Direkte Belege für einen antisemitischen Hintergrund fehlen. Doch nichts sonst in der Umgebung ist zerstört, nur die Stele. Sie ist nachts nicht beleuchtet. Woran sie erinnert, die jüdische Geschäftswelt an der Kaiserstraße bis 1938, reichte aus, war wohl bekannt. Es war kein Zufall, dass Haß und Zerstörungswut ausgerechnet hier ihr Ziel fanden. So etwas nennt man Antisemitismus. Und es zeigt, wie wichtig nun erst recht Erinnerungskultur ist.

Aktualisierung Frühjahr 2019: Weder die Täter noch ihre Motive konnten ausfindig gemacht werden, die Ermittlungen wurden eingestellt. Inzwischen ist die Stele grundlegend gereinigt und die Scheibe ausgetauscht worden. Wir danken herzlich allen Spendern, die einen Beitrag dazu geleistet haben.